Übergewicht und Adipositas

Die Zahl an übergewichtigen und adipösen Menschen steigt in allen Altersstufen stetig an. Die steigenden Prävalenzzahlen - sowohl bei Erwachsenen wie auch bei Kindern - lassen von einer Krankheit mit epidemischem Ausmaß sprechen.

Adipositas ist durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bzw. einen erhöhten Anteil des Körperfettes an der Körpermasse gekennzeichnet und wird heute als chronische Gesundheitsstörung verstanden. Übergewicht hingegen ist eine über den Normwert hinausgehende Erhöhung des Körpergewichts, beurteilt nach Gewicht/Längen-Indizes. Wenn Übergewicht mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden ist, erlangt es Krankheitswert. Indikatoren für den Anteil von Körperfett und dessen Verteilung sind der Bauchumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis.

Derzeit sind laut erstem österreichischem Adipositasbericht 2006 unter österreichischen Kindern und Jugendlichen 10-29 Prozent der Burschen und 6-42 Prozent  der Mädchen übergewichtig und 5-11 Prozent % der Burschen sowie 3-4 Prozent der Mädchen adipös.

Für Kinder und Jugendliche stellen zunächst das Erscheinungsbild durch Stigmatisierung und soziale Benachteilung, sowie eventuelle orthopädische Schäden ein Problem dar. Mit zunehmendem Alter werden medizinische Begleiterkrankungen wie kardiosvaskuläre Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ II und Gicht zu tragenden Faktoren. Somit ist Übergewicht und in weiterer Folge auch Adipositas nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Problem, da die entstehenden Kosten das Gesundheitssystem belasten.

Bekannt ist auch eine hohe Persistenz der Adipositas, d.h. die Kinder und Jugendlichen, die als adipös eingeschätzt werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die erwachsenen Adipösen von morgen.

Betreffend die Ursachen der Adipositas ist festzuhalten, dass es die Ursache für Adipositas nicht gibt, denn die Entstehung jener Krankheit beruht zumeist auf einem multifaktoriellen Geschehen. Es handelt sich dabei um genetische, demografische, soziokulturelle, biologische und verhaltensabhängige Faktoren, die das Krankheitsbild der Adipositas bewirken. Den starken Anstieg dieser Krankheit innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte führt die WHO auf den Einfluss von Verhaltens- und Umweltfaktoren zurück, d.h. vorwiegend sitzender Lebensweise und daraus resultierendem Bewegungsmangel in Kombination mit erhöhter Energieaufnahme.

In der Therme Wien läuft seit Herbst 2009 das Pilotprojekt „R.A.B.E. richtig abnehmen, bewusst ernähren“ mit den 2. Klassen der Volksschule Wendstattgasse in Kooperation mit dem AKH Wien, Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation. Das Gesundheitsprogramm besteht aus einem Therapieprogramm mit den Modulen Medizin, Ernährung, Bewegung, verhaltenstherapeutischen Elementen und Einbindung der Eltern sowie einem Präventionsprogramm, bei dem sportliche Aktivitäten im Mittelpunkt stehen. Entscheidend für langfristige Erfolge sind auch Veränderungen auf mehreren Verhaltensebenen. Die teilnehmenden Kinder werden motiviert, möglichst viele der veränderten Verhaltensweisen auch nach dem offiziellen Ende des Programms beizubehalten, weshalb neben Anamnese und Enduntersuchung auch regelmäßige Verlaufskontrollen und Kontakt zur Beratungs- und Betreuungsstelle von großer Bedeutung sind.